(3) Heiner Christian Rust

pf21_08_128 Der Focus des Kongresses „Pfingsten 21“ geht nach dieser [Ermutigung für mein eigenes Leben] nahtlos auf meinen Gemeindealltag über, denn alles Charismatische hat dem Gemeinwesen zu dienen. Der Heilige Geist drängt die Christen nach draußen. Der Vortrag von Heiner Christian Rust mit der Theatergruppe der [Friedenskirche Braunschweig] ist [mein Tagungs-Highlight]! Ich bekomme als Security-Ordner zwar nicht alles 100%-ig mit und muss die Presseberichte mit heranziehen, aber mir wird klar:

Der Heilige Geist wirkt nicht nur in der Pfingstbewegung. Gefühle (Lobpreis), geistliche Erfahrungen (Sprachengebet) und körperliche Phänomene (Zittern, Lachen, Weinen, Ruhen im Geist) können zu Fehlentwicklungen führen, wenn sie einseitig praktiziert oder überbetont werden. (Das steht so auch in der [DNA des Mülheimer Verbands].) Nach Paulus müssen sich alle Charismen an der Liebe messen lassen, wie er in 1. Kor. 13 sehr ausführlich beschreibt. Und er schätzt das Charisma der Prophetie besonders, weil damit nämlich die Zeichen der Zeit im Lichte Jesu und seines Evangeliums gedeutet werden. Um diese Gabe sollte sich jeder Christ bemühen (1. Kor. 14, 1-5)!

rust

Rust schreibt der Charismatischen Bewegung höflich, aber bestimmt, eine gehörige Portion Selbstkritik ins Stammbuch. Er nennt die Einseitigkeiten „spirituelle Monokel“ und macht uns auf die „konfessionellen Linsen“ aufmerksam, die unsere Blicke einengen. Deutlich wird das auch noch auf diesem Kongress in Gesprächsfetzen in den Pausen, wo immer mal wieder zu hören war: „… ich hab gar nicht gewusst, dass Katholiken so feurig beten können!“ oder: „… die Evangelischen können die Gegenwart des Herrn ja auch sehr schön feiern – ich hab immer gedacht, die erinnern sich einfach nur an Jesus, so mehr symbolisch…“ Ja, sage ich, wenn man nie etwas anderes als die eigene konfessionelle Brille kennengelernt hat, dann muss der Heilige Geist ja konfessionell sein… Dass dies ein fundamentaler Irrtum ist, hat hoffentlich auch der letzte Kongressteilnehmer begriffen. Beim ersten Pfingsten in Jerusalem wurden jedenfalls alle vom Heiligen Geist erfüllt, und im Haus des Cornelius kam der Heilige Geist über die Versammlung, noch bevor die Menschen sich bekehrt hatten und getauft waren (Apg. 10: 44-48).

„Krankheitsbilder der Gemeinde“: vernagelte Christen, Selbstbeweihräucherung, verkrustete Strukturen und Ämter, jammervoller Blick zurück wie es früher mal war, alles das will uns zu neuer Leidenschaft für die Sache Gottes in der Kirche motivieren. Dabei ist jede und jeder gefragt! Freikirchen war das „gemeinsame Priestertum“ von Anfang an eines der Hauptanliegen. Die deutschen Bischöfe haben es kürzlich bekräftigt in ihrer Verlautbarung „Gemeinsam Kirche Sein“ [siehe Literaturliste]. Jeder von ihnen hat den Bruch mit dem herkömmlichen Klerikalismus unterschrieben. Letzterer ist im Übrigen nicht nur eine Unart in katholischen Breiten. („Es gibt keine andere Heiligkeit für den Klerus als für die Laien.“ S. 17. „Die priesterliche Würde aller Getauften kann weder durch Ämter oder Dienste noch durch Berufungen oder Beauftragungen einzelner Christen gesteigert oder überboten werden.“ S. 35, nachdem vorher 1. Petr. 2, 4-10 zitiert wurde, wo das Stichwort „geweiht“ auch auf sog. „Laien“ angewendet wird.)

So wie [P. Rainiero Cantalamessa] vom „offenen Obergemach“ sprach, in das man hineingeht „und mit Feuerzungen wieder heraus kommt“, so nennt Rust „die Gemeinde Jesu Christi den Kreißsaal des neuen Menschen in Christus“. Wohlgemerkt: Er spricht nicht von Gebetskreisen und frommen Zirkeln zur Pflege des Sprachengebets, sondern fordert von der ganz normalen Kirchengemeinde, dass in ihr die Menschen eine neue Geburt erfahren können. Was wird dort über Geistempfang gelehrt – und praktiziert? Was erfahren Firmlinge und Konfirmanden über die Charismenkataloge im Römer- und 1. Korintherbrief? Wie konkret wird die neue Geburt für bürgerschaftliches Engagement?

Die erste Konsequenz nach der Bekehrung ist, dass der „neue Mensch“ gepflegt und begleitet werden muss. Sind unsere Gemeinden „Gewächshäuser“ der neuen Menschen? (Auch die kath. Bischöfe fordern charismatische Wachstums- und Reifungsprozesse, a.a.O. S. 30). Welche Bedeutung haben Mentoren, Coaches bzw. Trainer im „Fitness-Center für ein Leben im Reich Gottes“? (Der Mülheimer Verband legt gerade ein „[Gospel-Coaching]-Programm“ für Leiter und Pastoren auf.) Welche Geistesgaben kommen in unserer Ortsgemeinde vor? Wie werden die Gaben gefördert? Welche Ausrüstung gibt es in unseren Gemeinden für die missionarische Sendung in die Gesellschaft hinein? Eine Kirche, die sich nicht selbst evangelisiert, kann ihre Aufgabe, die Welt zu evangelisieren, nicht erfüllen, das haben alle Päpste seit Paul VI. immer wieder betont. In der westlichen Hemisphäre ist dies weitgehend ungehört geblieben – mit Ausnahme der Freikirchen, die daraus gerne ihre Existenzberechtigung ableiten dürfen. Darum sind sie als Lernfeld für eine umfassende Bekehrung – und PP. Franziskus meint das so, wenn er von „conversión“ spricht – der traditionellen Kirchen so wichtig! Kehrtwende bis in die letzte Gebetsgruppe und den letzten Terminkalender hinein. „Mentalitätswandel“, „Paradigmenwechsel“ oder gar die sprachlich glatte „Neuausrichtung“ im Gemeindeleben geben das Gemeinte nur sehr verharmlosend wieder. Hier können wir alle lernen, was Reformation eigentlich sein müsste: Eine Rückbesinnung auf, ja Neubekehrung hin – zur persönlichen Beziehung zu Jesus (Evangelii Gaudium Nr. 3+164, Gemeinsam Kirche-Sein S. 11). Erneuerung, Kirche in Bewegung, ist ohne Bekehrung nicht zu haben. Welches Gemeinde-Leitbild nennt „Bekehrung“ als Ziel (Apg. 2, 38)?

Und wenn diese Vorarbeiten getan sind (die Liturgiekonstitution benennt sie schon 1965 sehr konkret in Nr. 9), dann darf gefeiert werden! Sonntags, wenn alle ihre Charismen und Engagements einbringen (warum eigentlich nicht darüber berichten?) und die Gemeinschaft mit Jesus und untereinander in Wort und Sakrament hautnah erlebbar wird. Heiner Christian Rust möchte Leidenschaft und Lust an einem Leben im Glauben geweckt wissen: „Das ist dann wie Oktoberfest!“ Die Kongressteilnehmer schmunzeln weil sie merken, dass traurige Musik und sauertöpfische Gesichter da eigentlich nicht hin gehören. Dafür sorgt auf dem Kongress schon die Würzburger Band [„Jedidja“ mit ihrem fetten Praise&Worship-Sound] – der offensichtlich auch den meisten Senioren Spaß macht.

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