Gemeinsam evangelisieren

reformation17_08_128…und nicht nur beten. Das ist das Neue in den ökumenischen Perspektiven zum Beginn des Reformationsjahres. Sowohl die kath. und ev. Bischöfe auf ihrer Pilgerfahrt im Heiligen Land, als auch die von PP. Franziskus und dem Lutherischen Weltbund unterzeichneten „Verpflichtungen“ weiten den Horizont bisheriger Zusammenarbeit.Es war eine gute und kreative Idee, das Reformationsjahr nicht nur mit dem üblichen Programm aus Festvorträgen, Events und Gottesdiensten zu begehen, sondern gemeinsam eine Pilgerreise zu machen und sich auf die Spuren Jesu zu begeben.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (li.) und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (re.) schöpfen gemeinsam aus dem Josefsbrunnen in Nablus. Foto: Harald Oppitz (KNA)

So lautet das Fazit [der beiden Delegationen] aus der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofs-Konferenz: „Unser gemeinsamer Pilgerweg an die Quellen des Glaubens hat uns neu entdecken lassen, was im Zentrum unseres gemeinsamen Glaubens steht: Christus! Im gemeinsamen Unterwegssein, im Gespräch miteinander und den geistlichen Impulsen füreinander haben wir gelernt, mit den Ohren des anderen zu hören und ihn in seinem Glauben mit dem Herzen zu verstehen“. Daheim in Deutschland werde „das gemeinsame Glaubenszeugnis erwartet“, erklären die Bischöfe. „Christus, den auferstandenen Herrn, zu verkünden, ist unser gemeinsamer Auftrag.“ Und sie wollen das „mit Schwung und Leidenschaft“ tun.

Glaubenszeugnis geschieht durch Wort und Tat. Glaubensverkündigung (Martyrie) und Diakonie gehören zusammen (Mt. 25, 35 ff). Allerdings wird der Missionsauftrag nur durch kooperative Diakonie- bzw. Caritas-Unternehmungen noch nicht erfüllt. Dass neben gemeinsamem Beten und Gottesdienst-Feiern in Zukunft auch Evangelisation in den Fokus genommen werden muss, haben PP. Franziskus und der Lutherische Weltbund mit ihrer Unterschrift im schwedischen Lund am 31. Oktober 2016 neben einigen selbstverständlichen Höflichkeiten in den  „Verpflichtungen“ Nr. 4 und 5 bekräftigt.

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31. Oktober 2016 im Dom zu Lund/Schweden, der Gründungsstätte des Lutherischen Weltbundes: (v.l.n.r.) Kardinal Kurt Koch, Bischof Munib Younan, Papst Franziskus, Generalsekretär Martin Junge. Foto: Radio Vatican

Unsere vierte Verpflichtung: „Lutheraner und Katholiken müssen gemeinsam die Kraft des Evangeliums Jesu Christi für unsere Zeit wiederentdecken.“ (Nr. 242)

Unsere fünfte Verpflichtung: „Katholiken und Lutheraner sollen in der Verkündigung und im Dienst an der Welt zusammen Zeugnis für Gottes Gnade ablegen.“ (Nr. 243)

Die Klammern beziehen sich auf die in Lund unterzeichnete Erklärung „Vom Konflikt zu Gemeinschaft“, die 2013 vom Lutherischen Weltbund und dem katholischen „Sekretariat für die Einheit der Christen“ veröffentlich wurde [hier vollständig im Wortlaut]. Ob das vor allem in der deutschen Kirche wieder nur als wohlmeinender Appell verstanden wird, der wie eine Seifenblase zerplatzt, oder ob aus diesen Basics strategische Unternehmungen erwachsen, muss sich zeigen. Bisher sind in den Pastoralteams der Kirchengemeinden weder [Evangelii Gaudium], noch [Gemeinsam Kirche Sein] ernsthaft umgesetzt worden, von wenigen Einzelfällen und Netzwerk-Initiativen einmal abgesehen.

Zu wünschen ist auch, dass andere evangelische Kirchen sich der Erklärung anschließen. Seit nunmehr fünf Jahren (2011) gibt es dafür mit „Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ [hier im Wortlaut] eine hinreichende Grundlage, weil hier Evangelische Allianz (!), der Ökumenische Rat der Kirchen und das katholische „Sekretariat für den interreligösen Dialog“ den Weg für gemeinsame Mission und Evangelisierung  bereitet haben.

Im Glaubensdienst und im geschwisterlichen Dienst zusammen Zeugnis für Gottes Gnade ablegen! Hinsichtlich der Glaubensverkündigung ist das ein Meilenstein. Die Power für eine neue Etappe im Leben der Kirche(n) ist da. Wollen wir uns einklinken?

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5 Gedanken zu “Gemeinsam evangelisieren

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