Zeit für Reformation (2)

Leipzig16-26-kl

Auf dem Leipziger Katholikentag 2016 haben es die Christen in Thüringen und Sachsen-Anhalt begriffen: Kirche ist in Zukunft nur dann glaubwürdig, wenn Konfessionen versöhnt und gemeinsam Menschen für Jesus gewinnen wollen. Auf Theologen, Bischöfe u. a. Hauptamtliche können wir nicht mehr länger warten!

Die pastoralen Konsequenzen, wenn die zentrale Botschaft des „Masterplans“ [Evangelii Gaudium] (bes. Nr. 3 und 164) in Deutschland ankommen würde, sehen aufgrund meiner Erfahrungen als „Kundschafter“ (4. Mos./Jos. 13) im [„Jahr des Aufatmens“] (2. Mos./Ex. 23, 12) in der freikirchlichen „Mutter der deutschen Pfingstbewegung“ [Mülheimer Verband] folgendermaßen aus:

  1. Der Masterplan muss überhaupt erst einmal gelesen werden! Auch im vierten Jahr nach seiner Veröffentlichung kennt der Großteil der hauptamtlichen Mitarbeiter und der gewählten Leitungsgremien das Leitbild der „eigenen Firma“ nicht, auch nicht die nationale Umsetzung der Deutschen Bischofskonferenz im revolutionären [„Gemeinsam Kirche Sein“]. Unternehmerisch gesehen ist so etwas ein schlichtes „No-Go“. Weniger als 10% der eigenen Mitgliederschaft interessiert sich noch für Gottesdienste und Mitverantwortung in synodalen Gremien. Eine Körperschaft würde Trainer und Direktoren umgehend auswechseln! Der Anteil der Personalkosten des Bistums Münster an dessen Ausgaben beträgt [lt. Haushalts-Vorbericht für 2017 Nr. 2.21] fast 31 %. Im pastoralen Dienst arbeiten hochqualifizierte Spezialisten. Dennoch geht der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung nicht nur aus demografischen Gründen stetig zurück. Bei einer solch vernichtenden Bilanz muss die Frage erlaubt sein, warum das ungefähre Drittel der Kirchensteuern anscheinend buchstäblich „verbrennt“. Eine flächendeckende Strategie zur Masterplan-Umsetzung in Deutschland sehe ich nicht – eher viel Widerstand, leider auch an der „Basis“. Erfreuliche Innovationen gibt es zwar: Viele „kleine Pflänzchen“, Netzwerke, Kongresse, Motto-Jahre und Institute – vorwiegend aus evangelischer Initiative und ehrenamtlich, aber immer noch muten kath. Kooperationen eher exotisch an (siehe ein kleine Auswahl in „meinem Netzwerk“ in der linken Seitenspalte).
  2. Eine pastorale Strategie, heruntergebrochen auf Gemeindeebene, muss den Nachteilen der überall mehr oder minder freiwillig verfügten Bildung von Mega-Pfarreien mit ihren großen Pastoralteams und Zentralbüros entgegenwirken, damit mit der Entsorgung von Kirchengebäuden nicht auch gleich deren Gemeinden mit verschwinden. Das „Rezept“ für beziehungsstarke Glaubensgemeinschaften ist keinesfalls geheim und überhaupt nicht neu. Hier können die nun wirklich langen Erfahrungen aus dem Pietismus und der Gemeinschaftsbewegung auch mit ihren kritischen Anteilen greifen: Sie heißen Hauskreise oder, modern bzw. katholisch ausgedrückt: Kleine Christliche Gemeinschaften.
  3.  
    Man muss nicht unbedingt auf die Philippinen reisen um zu studieren, wie so etwas geht. Ein Blick über den konfessionellen Tellerrand hinaus reicht schon. Freikirchen in Deutschland sind weitgehend wachsende Gemeinden! Dafür haben sie Strategien! Dabei darf es nicht darum gehen, „mal einen“ Hauskreis oder Bibelkreis zu gründen, sondern ein Konzept zu entwickeln, wie innerhalb der nächsten drei Jahre in einer Pfarrei mit 40.000 Mitgliedern [z.B. St. Urbanus in Gelsenkirchen-Buer], von denen sich 9% einladen ließen, also 3.600 Mitglieder, in Haus- oder Bibelkreise à 12 Personen eingeladen werden können. Dafür braucht man 300 kompetente Leiter – unrealistisch? Brechen wir es auf „Gemeindekirchen“ herunter, die es in den Megapfarreien hoffentlich noch gibt: 9% von 5.000 sind 450 Mitglieder, rein rechnerisch wären 38 Gemeindekreise mit entspr. Leitungskompetenz durch Gemeindemitglieder nötig. Wie man so etwas organisieren kann, lernen Priester, Diakone oder Gemeindereferenten leider nicht. Auch die neuen „Pastoralen Koordinatoren“ müssen „ins kalte Wasser springen“ und sich ihre Kompetenz auf eigene Faust (und oft auch Kosten) erarbeiten (obwohl es längst Management-Ausbildungen mit und ohne spirituellen Schwerpunkt und sowohl vollzeitliche als auch berufsbegleitende Studiengänge gibt). Dass es geht, machen die Freikirchen vor!

    Ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen? Sicher, die Zahlenverhältnisse sind weniger beängstigend, je kleiner eine Gemeinde ist. Aber warum kann der kleine Mülheimer Verband eine planvolle Strategie zur Schulung von Leitern einrichten – übrigens gar nicht aus eigenen Resourcen, sondern in Kooperation mit den Instituten der [Kirche für Oberberg]? (Alles ohne jegliche Kirchensteuermittel!) Weil der Verband die Vision entwickelt hat, die Zahl seiner Gemeinden bis 2025 zu verdoppeln! Warum kann das Erzbistum Wien das inhaltliche Problem zur Schulung von ehrenamtlichen Leitern bewältigen? Weil Kardinal Schönborn eine Kooperation mit der freikirchlichen „Jugend mit einer Mission“ vereinbart hat, die für das „Missionsfeld kath. Kirche“ eigens die [„Gemeinschaft Kerygma“] (siehe EG 164!) gebildet hat, um den Anforderungen der Mission mit einer Schwesterkirche gerecht werden zu können. Es geht ja nicht darum, dass katholische Gemeinden zu evangelischen Freikirchen mutieren. Es geht darum, dass neben Gebet und Gottesdienst auch Evangelisierung und Mission in Zukunft glaubwürdig nur gemeinsam (multikonfessionell) bewältigt werden können, wenn die Vereinbarungen von [Lund 2017] keine Sprechblasen bleiben sollen. Wohlgemerkt: Es geht bei den obigen Zahlenspielen auch gar nicht um den missionalen Grundauftrag einer Gemeinde, noch nicht einmal um die Aktivierung ihrer Kirchensteuerzahler, sondern lediglich darum, die real interessierten 9% an ihre Grundverantwortung zu erinnern und ihnen professionell entsprechendes Handwerkszeug zur Verfügung zu stellen! Um evangelisieren zu können, müssen die Christen, eine Gemeinde, erst einmal selbst evangelisiert sein.

  4. Die jetzt erforderliche Reformation der etablierten Kirchen ist ohne „Conversión“ wie es PP. Franziskus immer wieder nennt, nicht zu haben. In den Pastoral- und Leitungsteams käme „Bekehrung“ einer Palastrevolution gleich. Ja, das „Unwort Bekehrung“ in der deutschen Pastoral fängt beim einzelnen Gemeindemitglied, ehren- oder hauptamtlichen Mitarbeiter an und endet beim Bischof und Papst. Zur Zeit erleben wir, dass umgekehrt PP. Franziskus „top down“ um Bekehrung wirbt und sie auch lebt. „Wir sind eine Mission!“ (Bischof Bode beim Dialogforum in Magdeburg) Der strategische Transfer in die Gemeinden fehlt in Deutschland.
  5. Welche Hilfen leisten die Gemeinden, um zu einer Glaubenentscheidung mit einer „erwachsenen Ratifizierung“ der eigenen Taufe und Firmung/Konfirmation zu gelangen? Hierzu gibt es, analog zu Gemeindeaufbau-Strategien, mittlerweile genug verschiedene Seminarformate, die man mit Medienunterstützung, eigenen oder externen Referententeams, als Crashkurs oder als Mehrwochenkurs, innerhalb der Gemeinde oder außerhalb in einem Bildungshaus/Kloster, in einer Mega-Pfarrei oder im Gemeindeverbund (am besten über Konfessionsgrenzen hinweg!) durchführen kann. Herausragend finde ich

    Auch bei diesem Strategiepunkt geht es nicht darum „mal einen“ Glaubenskurs zu machen – es muss zum Veranstaltungsstandard eines jeden Jahres werden! Das Charismen-Seminar ist alle zwei Jahre sinnvoll.

Bekehrung zu einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus, die sich in einem lebendigen Gebetsleben äußert, allein und in beziehungsstarken Gemeinschaften, mit Worten und in Stille, in „Kontemplation und Kampf“ (Roger Schutz), in Gottesdienst und bürgerschaftlichem Engagement, ist der Schlüssel für eine zukunftsfähige Kirche.

Weg, Wahrheit und Leben (Joh. 14, 6) müssen raus aus der „Ideologiefalle“ – es geht hier um eine Person: Jesus Christus! [Ich wiederhole mich jetzt:] Sich öffentlich (vor Zeugen also) zu ihm zu bekennen (Tauf- und Firmbewusstsein!) ist die Voraussetzung für die Feier seiner Nähe. Diese These in Nr. 9 der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils wird seit 50 Jahren sträflich vernachlässigt. Mit ein bisschen Sakramentenkatechese oder Konfirmandenunterricht für das Ziel der Mitfeier des Sonntagsgottesdienstes oder gar einer täglichen Eucharistiefeier wird der Grundauftrag der Kirche verraten. Darum geht es hier nicht einfach um Reformation, schon gar nicht um eine freundliche „Neuausrichtung“ oder einen einfachen „Paradigmenwechsel“, sondern um eine echte Revolution im Handeln der etablierten Konfessionen und ihrer pastoral Verantwortlichen. Wenn wir wollen, müssen wir nicht mehr auf sie warten!

Neuhof

  • „Es“ muss „sich“ nicht grundlegend etwas ändern, sondern Ich! Wann startest Du?
  • Es gibt nur eine Richtung: Vorwärts!
  • Es gibt nur eine Geschwindigkeit: Vollgas!
  • Es gibt nur einen Schlüssel, und das ist ein „Dietrich“, und der heißt: Beten!
  • Online gehen mit Jesus, weil er es wert ist, denn die Menschen unserer Stadt/unseres Dorfes sind ihm etwas wert!
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