Die drei Türme

Die Regionalkonferenz Nord des „mittendrin“ 2017, der Versammlung der [kath. charismatischen Erneuerung], war in Bremen-Walle. Auf dem Foto links St. Marien (kath.), rechts St. Wilhadi (ev.), die sich unmittelbar gegenüberstehen, in der Mitte der Bremer Fernmeldeturm (DFMG). Für mich ist der wichtigste der in der Mitte… Das war jedenfalls mein Eindruck, als es mich nach dem schon lange beabsichtigten Beichtgespräch nicht mehr im Kirchenraum hielt und ich einfach nach draußen rennen musste. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ – wow, alles, was im Psalm 31 in den ersten Versen (1-9) gebetet wird, habe ich gerade erlebt, ungeschminkt und hautnah, und mit einem völlig unerwarteten, aber passgenauen Zuspruch meines Gesprächs- und Gebetspartners. Persönlich kennen wir uns nur oberflächlich.

Draußen auf der anderen Seite der Straßenkreuzung drehe ich mich um, lasse das gerade Erlebte erst einmal „sacken“ und sehe diese drei Türme. Die Weitwinkelaufnahme (vom nächsten Morgen) zieht die Türme ziemlich auseinander. Besonders der in der Mitte ist in Wirklichkeit deutlich näher und größer. Die drei Türme sind ein schönes Bild meines [Berufungs-Weges]: Links meine Herkunft und Verwurzelung, rechts meine bisherigen Beziehungen, Kontakte und Interessen, und in der Mitte die Aufgabe, die jetzt vor mir liegt:

„Wir wollen erneut bekräftigen, dass die Aufgabe, allen Menschen die Frohbotschaft zu verkündigen, die wesentliche Sendung der Kirche ist (Zit. Bischofssynode 1974), eine Aufgabe und Sendung, die die umfassenden und tiefgreifenden Veränderungen der augenblicklichen Gesellschaft nur noch dringender machen. Evangelisieren ist in der Tat die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche, ihre tiefste Identität.“ (PP. Paul VI. in Evangelii Nuntiandi Nr. 14, das war 1975!)

Sakramentalität der Kirche (die ist mehr als ihre römische Version) und die Feier der Eucharistie (Abendmahl) kommen erst danach zur Sprache und beschreiben gerade nicht die „tiefste Identität“ der Kirche. Das ist für mich völlig unmissverständlich. Für Sakrament und Eucharistie gelten Voraussetzungen (Bekehrung!, Liturgiekonstitution Nr. 9), die auch methodisch angepackt werden müssen, und die unsere deutsche Mainstreampastoral leider sabotiert (die Zahlen sprechen für sich). Was wir brauchen, sind Evangelisten! Sogar in den Leitlinien für die kath.-charismatische Erneuerung in Deutschland heißt es in Nr. 1:

„Wir wollen dem dreifaltigen Gott … dienen, indem wir uns der primären Sendung der Kirche, nämlich der Evangelisation in der Kraft des Heiligen Geistes verpflichten.“ (1992)

Verpflichten! Evangelisation geschieht weder durch Eucharistie feiern an sich, und schon gar nicht durch Sprachengebet. Evangelisieren geht anders: Das haben die PP. Paul VI. und Franziskus (in Evangelii Gaudium) in ausreichender Weise beschrieben – von jeder/m nachzulesen. Außerdem haben die päpstliche Unterzeichnung der fünf [„Vereinbarungen von Lund“ 2017] und die Ansprachen bei der [50-Jahr-Feier der kath.-charismatischen Erneuerung zu Pfingsten 2017] in Rom eine neue Etappe der ökumenischen Beziehungen eingeleitet, nämlich nicht zur gemeinsam zu beten und Gottesdienste zu feiern, sondern auch dem Grundauftrag der Kirche nachzukommen: gemeinsam zu evangelisieren! Wie soll und kann das anders gehen, als über alle bisherigen Konfessions- und dogmatischen Grenzen hinweg? Um mit Jesus unterwegs zu sein, darf es keine Zugangsvorbehalte und -bedingungen mehr geben! Beim multikonfessionellen Evangelisieren bekommen unsere dogmatischen Eigenheiten einen ganz anderen Stellenwert. Sie sind jedenfalls [nicht um ihrer selbst willen] oder zur Erhaltung einer fragwürdigen Ämterstruktur da.

Die Sicht auf den Bremer Fernmeldeturm inmitten der Kirchtürme von St. Marien und St. Wilhadi ist für mich also Ansporn und Wegzeichen, meine Zeit, meine Begabungen, meine Kenntnisse,  meine Beziehungen und meinen Platz in der Gesellschaft dahingehend deutlich zu machen, dass sich der Glaube lohnt und die Gemeinschaft mit Jesus wahre Freiheit ermöglicht – so wie gerade frisch [im Beichtgespräch erlebt]. Der Fernmeldeturm steht für Kommunikation, und die besteht aus Senden und Empfangen. Ich kann nur das senden, was ich empfangen habe. Und wenn ich sende, empfange ich manchmal ganz überraschend Neues. Mission ist keine Einbahnstraße. In 68 Jahren habe ich – Gott sei Dank – viel empfangen und darf immer noch weiter lernen. Bisher habe ich dreimal „Hardcore-Evangelisation“ mitgemacht, [auf der Straße]. Ich muss gestehen, dass es mir schwer fällt, und dass ich meine Berufung lieber auf anderen Arbeitsfeldern sehe. Ein wesentliches Stichwort habe ich bei der [„Theologischen Leiter-Tagung“ des Mülheimer Verbands] für mich persönlich gehört: Es heißt „Jüngerschafts-Training“ – Gemeindemitgliedern dabei helfen, ihre persönliche Berufung zu entdecken und zu leben – potentielle Evangelisten/innen begleiten. Der Mülheimer Verband hat innerhalb seines neuen [„MV-Kollegs“] ein gutes Kooperationsmodell [mit der „Kirche für Oberberg“] aufgelegt, nämlich den [Jüngerschaftskurs „ECHT!“], den man allein, in Zweierschaft oder als Gemeindegruppe durchführen kann. In meiner Stadt haben in diesem Jahr 2017 ca. 100 Personen einen [Alpha-Kurs], das Seminar „Leben aus der Kraft des Heiligen Geistes“ oder einen Jugend-Alphakurs mitgemacht. Ich habe große Lust, diese Perspektive in meiner Gemeinde, und gerne auch darüber hinaus, weiter zu verfolgen und eine Anschlussmaßnahme zu starten.

Auch in diesem Jahr war der „Mobi-Treff“ vorm Theater wieder „Glaubenskommunikation zum Anfassen“.

 

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