Im Strom der Gnade

Einen „Strom der Gnade“ nannte PP. Franziskus die Internationale Charismatische Erneuerung der kath. Kirche [„CE“] beim 50-jährigen Jubiläum am Pfingstfest 2017 wohl wissend, dass dieser Strom nicht von der römischen Kirche ausgegangen ist, sondern einen Umweg über die weltweite Pfingstbewegung gemacht hatte. Nicht umsonst war es ihm ein großes Anliegen zur Feier im Circus Maximus zu Rom deren Vertreter zum Mitfeiern einzuladen – und sie waren auch da!

Am Martinstag 2017 nun wurde noch einmal national gefeiert, über dem Grab des hl. Bonifatius, Wandermönch und „Apostel Deutschlands“. Der Dom zu Fulda hätte sich den ca. 500 Teilnehmern aus ganz Deutschland zu diesem Anlass nicht besser als „Baustelle Kirche“ präsentieren können:

Wenn sich aber an diesem Nachmittag Angehörige einer Pfingstgemeinde in den Dom „verirrt“ hätten, sie hätten ihren Augen und Ohren nicht getraut:

Domorganist Hans-Jürgen Kaiser und die Band „Jedidja“ aus Würzburg gaben alles, um Jubel, Lobpreis und Anbetung der fröhlichen Gemeinde zu leiten und zu begleiten. Es ist schon ein Erlebnis, „Großer Gott wir loben dich“ (GL 390, EG 331) und „10.000 Gründe“ [Outbreakband] gleichermaßen ergriffen in German to „sing like never before“ – nämlich mit erhobenen Händen…

Über das seltsame Möbelstück hinten an der Wand, auf dem halb abgewandt ein einsamer Bischof saß, verkneife ich mir jetzt einen Kommentar. Hatte nicht der Leiter der Gemeinschaft, die hier das Wirken von Gottes Geist feierte und sich ihm neu in den Wind zu stellen wünschte, einmal gesagt, „Der Bischof wird sich bisweilen an die Spitze stellen, um den Weg anzuzeigen und die Hoffnung des Volkes aufrecht zu erhalten, andere Male wird er einfach inmitten aller sein mit seiner schlichten und barmherzigen Nähe, und bei einigen Gelegenheiten wird er hinter dem Volk hergehen, um denen zu helfen, die zurückgeblieben sind, und – vor allem – weil die Herde selbst ihren Spürsinn besitzt, um neue Wege zu finden.“ (Evangelii Gaudium 31)? Und hatte er nicht am Gründonnerstag 2013 dazu ermutigt, dass sich die Hirten „mitten unter die Herde mischen und den Stallgeruch der Schafe annehmen“ müssten? Dafür gibt es offensichtlich (nicht nur in Fulda und sogar in der Promi-Szene freikirchlicher Prediger/innen…) noch ganz viel „Luft nach oben“!

Aber Bischof Heinz-Josef Algermissen schrieb der CE neben den guten Wünschen zum 50-jährigen Bestehen auch ins Stammbuch für die Zukunft: „Gründet Hauskirchen“! Ich stelle mir vor, die 500 im Dom fangen nach ihrer Rückkehr zu Hause sofort damit an: 500 Katholiken gründen übers ganze Land verteilt neue geistliche Zellen… Das würde die kirchensteuerfinanzierte Struktur des Deutschen Katholizismus komplett aus den Angeln heben. Dabei lässt sich aus Evangelii Gaudium auch vier Jahre nach ihrem Erscheinen noch gut eine Pastoralstrategie für Neugründungen entwickeln. Ich bin mir nicht sicher, ob wir als CE begriffen haben, was der Hirte da von uns erwartet… jedenfalls nicht den Rückzug in fromme Gebetskreise zur Pflege des Sprachengebets (das als vielstimmiger Gesang nach der „Wandlung“ (Einsetzungsworte) in der Eucharistiefeier die ehrwürdigen Gewölbe erfüllte)! Ach, wenn Christen sich doch endlich tatsächlich verwandeln ließen und die Komfortzonen ihrer Gemeindetraditionen verlassen, gemäß der pastoralen Ermutigung von PP. Franziskus, die sich (nach Paul M. Zulehner) auf die griffige Formel „Ran (an Jesus) und raus (zu den geistlich wie materiell Armen)“ zusammenfassen lässt! Die CE muss ihrer selbstauferlegten Verpflichtung zur Evangelisation (Leitlinien 1) besonders im Nordwesten Deutschlands deutlich mehr Taten folgen lassen. Wie wäre es, wenn sich sich grundsätzlich den lokalen „Evangelischen Allianzen“ anschließen und dort mitarbeiten würde? Hat sie die öffentlichen Empfehlungen und Einladungen des Vorsitzenden der Allianz, Ekkehart Vetter (Präses des „Mülheimer Verbands“, der Mutter der Deutschen Pfingstbewegung), zum Schulterschluss mit Katholiken überhaupt vernommen und reagiert? (Quelle: [„Zeitansage“ zur 53. Sitzung des Hauptvorstandes] in Bad Blankenburg (3. Abschn.), „[Zwölf Thesen“ zum Jahreswechsel 17/18] im Magazin „Eins“ S. 6, These 6)

Die CE hat sich in ihren Anfängen nicht als „Bewegung innerhalb der Kirche“, sondern als „Kirche in Bewegung“ verstanden. Evangelisieren können nur selbst Evangelisierte. Diese Doppelaufgabe nach innen wie nach außen bleibt der CE auch für die nächste Zukunft nötiger als je zuvor, um die 5-8% der noch an kirchlichem Leben interessierten Mitglieder der etablierten Konfessionen zu mobilisieren. Warten wir nicht auf die Hauptamtlichen: „Die neue Evangelisierung muss ein neues Verständnis der tragenden Rolle eines jeden Getauften einschließen“ (EG 120). Hey, wir, Du und ich, sind Träger der Grundidentität und Hauptaufgabe der Kirche, jeder Kirche! Jammern wir nicht länger auf hohem Niveau über innovationsresistente Pastoralteams, sondern fangen wir jetzt sofort damit an, die Vision PP. Franziskus‘ in strategisches Handeln mit klaren Zielvorgaben für unsere Region umzusetzen! Mit Sorge beobachte ich die schleichende Re-Klerikalisierung einer Laienbewegung. Das Charisma der Hirtensorge und anderer Verantwortungsbereiche besitzen weit mehr Christinnen und Christen als es bei geweihten Amtsinhabern gegeben ist. Bei einigen habe ich große Zweifel, ob sie überhaupt echte Hirten sind, geschweige denn Evangelisten.

In welchen Bistümern [außer Aachen] gibt es Kompetenzzentren für Leiterschulungen, Glaubens- und Jüngerschaftskurse und Gemeinde-Neugründungen (!)? Warum wird nicht mit freikirchlichen Initiativen kooperiert [außer im Erzbistum Wien], von denen wir sehr viel lernen können, wie eine missionale Kirche „funktioniert“?  Wir fahren auf die Philippinen und bräuchten doch nur vor unsere Haustür zu gucken! Warum ist die CE (und noch nicht einmal die „Kath. Arbeitsstelle für missionarische Pastoral“) nicht auf dem [Willow-Creek-Leitungskongress] zu finden, z.B. beim Infostand, den ihre Schwesterorganisation, die [„Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der evangelischen Kirche“] mit großem Aufwand betreibt, weil 2018 in Dortmund in der seit Oktober 2017  komplett ausverkauften Westfalenhalle 11.000 Christen und zusätzlich an weiteren fünf Livestream-Orten (auch in Neumünster Lutherkirche und [Bremen Matthäuskirche]) mehrere Hundert versammelt sein werden, denen Jesus und die Kirche nicht egal ist? Zum ersten Mal wird der Abteilungsleiter Pastoral des Bistums Hildesheim und Mitbegründer von [Kirche²] [Christian Hennecke] einer der Hauptreferenten sein. Wir könnten doch als CE für Katholiken einen der Denominations-Treffs organisieren, die üblicherweise den Freitagabend des Kongresses prägen? Wir dürften mit 200 kath. Teilnehmern rechnen… (vorher mit dem „Zentrum für Kirchenentwicklung“ in Duderstadt und seinem Leiter, [Propst Bernd Galluschke] Kontakt aufnehmen).

Willow-Creek Deutschland mit Katholiken ist [nicht nur etwas für Kinder]. Die CE Deutschland muss aufpassen, dass die mittlerweile zahlreichen Initiativen für Evangelisation und Gemeindeaufbau mit PP. Franziskus in der ökumenischen Crew nicht mit Volldampf an ihr vorbeirauschen. Ran und raus! Vernetzung ist nicht schwer. Welche CE-Gruppe ist bei [fresh-X]? Mit Soaking-Konsum auf der jährlichen [MEHR!-Konferenz] in Augsburg (auch mit 10.000!) ist es nicht getan – wobei es dort seit 2017 ebenfalls eine Crew gibt, die für „Europe shall be saved“ [multikonfessionell angetreten] ist und wo gerade ein Projekt entsteht, das ohne Kirchensteuermittel Evangelisations- und andere Leiter ausbilden wird. Solche Leute brauchen wir! Wie kann man das berufsbegleitend organisieren, ohne dass man in Vollzeit studieren und in ein Internat gehen muss? [Katholiken und Charismatiker müssen das Rad gar nicht immer wieder neu erfinden]. Livestream [in meine Ortsgemeinde] macht’s möglich!

Die deutschen kath. Bischöfe haben [zu einer charismatischen Kirche ermutigt], ja sogar eine solche Reformation ihrer Mitgliederschaft eingefordert. Sicher hat die CE auch ihre Roststellen. Aber sie hat auch ihre Stärken, und eine Berufung, und einen Auftrag: Die Spitze einer Kirche in Bewegung zu sein, in der der Traum des Bischofs von Rom (und vieler anderer) Wirklichkeit wird:

„Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient. Die Reform der Strukturen die für die pastorale Conversión (Bekehrung) erforderlich ist, kann nur in diesem Sinne verstanden werden.“ (EG 27)

Im Strom der Gnade! Lass Dich anstecken: [Sei On-Fire]!

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