Eigentlich ist alles gesagt…

Bistümer und Landeskirchen sind im Rückbau begriffen – personell, finanziell und gesellschaftlich. Manche Journalisten sprechen gar vom Bankrott, sogar vom spirituellen. Dass dies nicht im Sinne des Erfinders ist, müsste jedem Verantwortungsträger klar sein.

Kirchen (alle!) sind zur Mission da. Lediglich 8-10% der eigenen Mitglieder bei uns interessieren sich noch für Gottesdienste und Gremienarbeit. Bei solchen Bilanzen würde man in einem Wirtschaftsunternehmen die Firmenspitze komplett austauschen. Hoch studierte und gut bezahlte Pastoralteams scheinen realitätsblind und innovationsresistent zu sein – der Ehrlichkeit halber muss gesagt werden: Nicht überall, aber eine signifikante Erneuerung der etablierten Kirchen gem. der Programmschrift „Evangelii Gaudium (EG)“, die durchaus nicht nur katholische Relevanz hat,  steht auch vier Jahre nach ihrer Veröffentlichung in unseren Breiten immer noch aus. In Ländern der sog. „Dritten Welt“ sieht das ganz anders aus. Dort haben Bistümer flächendeckende Pastoralstrategien entwickelt.

Kleine Christl. Gemeinschaften: Im Pietismus wurden sie erfunden.

Dagegen steht das „Geheimnis“ wachsender Freikirchen:

  • Substruktur in Haus-, Bibel- und Arbeitskreisen,
  • regelmäßige, wenn nicht sogar ständige Glaubenskurse,
  • Charismen-Seminare,
  • eine organisierte Begrüßungskultur in Gemeindehäusern und vor den Gottesdiensten,
  • moderne Musik und Verkündigungsmethodik.

Damit werden beziehungsstarke Gemeinschaften gepflegt, der Grundauftrag Evangelisation durchgeführt, und zwar als Gemeinde und nicht nur durch Hauptamtliche,  die Mitglieder finden ihren Platz in Gemeinde und Gesellschaft, und Gäste werden willkommen geheißen. In der Verkündigung kommen digitale Medien zum Einsatz. Finanziert wird das alles direkt, durch freiwillige Spenden der Mitglieder und Freunde. Freikirchen haben einen Personalschlüssel, von dem die großen Konfessionen nur träumen können!

Für mich ist es unbegreiflich, warum dieses offensichtlich effektive Handwerkszeug pastoraler Arbeit in den Traditionskirchen nicht angewendet wird. Weil es eben „freikirchlich“ ist? Weil PP. Franziskus einen „evangelikalen“ Ansatz verfolgt und die Spiritualität der „Charismatischen Erneuerung (CE)“ lebt? Weil das 2. Vatikanische Konzil als Vorbedingung für Eucharistie „Bekehrung“ fordert (Liturgiekonstitution Nr. 9) – was methodisch einfach nicht umgesetzt wurde und wird? Stattdessen wird mit der gegenwärtigen Ehelosigkeits- und Frauenweihe-Diskussion einer Re-Klerikalisierung das Wort geredet, welche die moderne Welt nun wirklich nicht braucht, und den Gemeindemitgliedern die Verantwortung für den Grundauftrag der Kirche(n) wieder entziehen würde. Wir brauchen  gläubige Gemeindemitglieder, die ihr Leben aus ihrer persönlichen Beziehung zu Jesus heraus gestalten (EG Nr. 3), die Taufe und Firmung/Konfirmation als Erwachsene bewusst und möglichst vor Zeugen ratifiziert haben und anderen davon erzählen mögen (EG Nr. 120f)– dann dürfte auch eine völlig neue und zeitgemäße Ämterstruktur für Männer und Frauen attraktiv sein, so wie es uns die meisten Freikirchen schon jetzt vormachen. Nie zuvor wie auf deren Tagungen und Konferenzen habe ich derart „normale“, sprich: unklerikale Pastorinnen und Pastoren kennengelernt, und der Kinderspielteppich im selben Raum war selbst bei hochwichtigen Referaten kein Problem. Dies Kompliment muss einmal sein…!

Pastorentagung des MV: Gruppendynamisches Warm-Up

So geht dieses Jahr zu Ende, das für mich wirklich ein „Reformationsjahr“ war, ganz persönlich. Vier Highlights waren es: Im Frühjahr 2017 die Jugend-Evangelisationswoche [„Jesus-House“ in unserer Stadt], bei der ich gerade auch als Älterer ein wenig mithelfen konnte, zur Jahresmitte meine [Heilung von Prostata-Vergrößerung] – dass sich meine persönliche Jahreslosung aus Jes. 40, 29 und Kontext „Er gibt des Müden Kraft und Stärke genug den Unvermögenden“ auf diese Weise in einer vorübergehenden körperlichen Auszeit bewahrheiten würde, konnte ich zum Jahresbeginn überhaupt nicht ahnen – dann  auch seelisch-spirituell Schritt zu halten mit meinem [„Bremer Turmerlebnis“], und gegen Jahresende die [Jugend-Mitarbeiterkonferenz „MIA“] zum Thema „Evangelisation in der Jugendarbeit“, die mir die zukünftigen Aufgaben meiner Berufung für die dritte Lebensphase noch einmal mehr strukturiert hat – wow, auch so können Jugend-Themen zur Wirkung kommen!

Frappierend ist noch, dass die Analyse meiner Erfahrungen als kath. Kundschafter in einer evangelikal-charismatischen Freikirchengemeinde ziemlich deckungsgleich ist mit der Expertise von Pfr. James Mallon, der das Pastoralmodell seiner Multisite-Pfarrei St. Benedict in Halifax/Kanada veröffentlicht hat und auf der nächsten MEHR!-Konferenz des Gebetshauses Augsburg Anfang Januar 2018 vorstellen wird: Divine Renovation – Wenn Gott sein Haus saniert – Von einer bewahrenden zu einer missionarischen Kirchengemeinde, Grünkraut (D&D-Medien) 2017, ISBN 978-3-86400-017-1. [Ein Buch, das sich zu verschlingen lohnt], weil es endlich von Sprechblasen-Appellen zu transferfähigen Modellen kommt (und dennoch nicht „das Rad neu erfindet“, sondern viel mit Willow-Creek, der Saddleback-Church und Holy-Trinity Brompton/London zu tun hat). Ich behaupte: Für alle pastoralen Probleme gibt es mittlerweile Lösungsmöglichkeiten, von denen viele im freikirchlichen Kontext schon länger und gut erprobt sind – wir müssen nur unseren konfessionellen Tunnelblick hinter uns lassen!

Ich werde auch diesmal nicht nach Augsburg fahren, um einer Strohfeuer-Begeisterung zu entgehen (ich weiß, ich bin etwas ungerecht mit dieser Einschätzung…) Wir haben aber die Erlaubnis bekommen, die Konferenz live in unser Gemeindehaus zu streamen und werden mit einer kleinen Gruppe dabei sein. Der kath. Gebetshausleiter Dr. theol. Johannes Hartl hat einen großen Einfluss auf die Freikirchen-Szene unserer Stadt. Viele hören ihn regelmäßig donnerstagsabends, oder beim Joggen… Auch das ist gelebte Ökumene.

Hiermit beende ich diesen Blog. „Keep the fire!“ ist die Botschaft der letzten Konferenz (MIA) dieses Jahres. Die Jugendlichen meiner Gemeinde heißen „Matches“, Zündhölzer. Manche ihrer Aktionen haben mich in meinem „Training on the job“ entflammt. So bin ich gerne „on fire“, und so wird auch mein neuer Blog heißen:

Herzlich willkommen! (Klick aufs Bild)

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